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Das haben die Odenwaldschüler nicht verdient

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Stereotypenbildung und interkulturelle Kommunikation scheint den Meisten dann relevant, wenn Angehörige zweier Nationen aufeinander treffen. Dass es aber auch innerhalb einer Nation zu interkulturellen Missverständnissen kommen kann, zeigt der Film „Die Auserwählent“. Er thematisiert das „deutsche“ Thema der Missbrauchsgeschichten an der Odenwaldschule und wurde am heutigen Mittwoch im ARD einem „deutschen“ Publikum gezeigt.

Die Missverständnisse nahmen bereits vor der Ausstrahlung ihren Anfang: Die Opfer der Odenwaldschule hatten versucht, gegen die Ausstrahlung des Films gerichtlich vorzugehen. Vergebens. Wieso auch einem Film die Ausstrahlung verweigern, der die historischen Tatsachen nicht offensichtlich verzerrt und auch keine Privatpersonen in ihren persönlichen Rechten verletzt?

Und tatsächlich werden die historischen Gegebenheiten brav re-inszeniert. Man sieht die Häuser der Schule und erfährt, was das Wort „Familie“ in diesem Zusammenhang bedeutet. Nur: damit ist auch der Spannungsbogen hin. Schließlich weiß jeder, dass die Missbrauchsopfer schließlich öffentlich Gehör mit ihrer Geschichte gefunden haben – sonst gäbe es ja den ganzen Film nicht.

Doch die eigentliche Tragödie der Vorfälle liegt genau in dem, was der Film nicht erzählt. Der Punkt ist doch nicht, dass alle, von Lehrern und Eltern bis hin zum Kultusminister, über Jahre hinweg einigen Schmierenkomödianten auf den Leim gegangen sind, sondern darin, dass die Akteure ihre eigene Wahrnehmung in Frage stellen: Was ist richtig, was ist falsch? Und dass sie mit ihren Zweifeln allein bleiben. Das gilt übrigens nicht nur für Opfer, sondern für auch für potentielle Zeugen. Und genau deswegen sollte eigentlich der Zweifel sollte den Ton angeben in dem Film. Tut er aber nicht. Warum? Aus Angst, dass die Mehrheit des „deutschen“ Publikums von der Komplexität überfordert wird?

Resultat ist jedenfalls, dass der Voyeurismus eines breiten Publikums auf Kosten der möglicherweise differenzierteren Gefühlslage einer Minderheit gestillt wird. Ist es das wert?

http://www.ardmediathek.de/tv/FilmMittwoch-im-Ersten/Die-Auserwählten-Video-tgl-ab-20-Uhr/Das-Erste/Video?documentId=23831940&bcastId=10318946&mpage=page.dossier-23771480

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Autor: amueller25

Mein Name ist Alice Müller. Ich arbeite als Trainerin und Beraterin für Kommunikation und Teamentwicklung in Deutschland und Ungarn. Warum dieser Blog? Mein Ziel ist es, Ihnen und allen, die beruflich mit Ungarn zu tun haben, Hintergrundwissen zu Ungarn zur Verfügung zu stellen. Meine Überzeugung ist, dass interkulturelle Begegnung gelingt, wenn man sich auf das einlässt, was nicht offensichtlich ist und neugierig wird auf die andere Kultur. Viel Spaß bei Ihren Erkundungen! Für weitere Fragen und Anregungen erreichen Sie mich unter info(at)alicemueller.com Weitere Informationen über mich: www.alicemueller.com

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