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Wahlen in Ungarn 2014

Wer nicht lernt, zahlt

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Strengere Kriterien für den Hochschulzugang, verstärkte Kooperationen mit der Wirtschaft, stärkere Produktorientierung, das sind die Schlagworte der neuen Hochschulstrategie. László Palkovics, Staatssekretär für Hochschulbildung, gab in dem Interview mit index.hu einen Ausblick auf die Entwicklungen, die bis 2020 zu erwarten sein werden.

Grundsätzlich ist das Ziel, Studenten besser auf die praktischen Anforderungen des Arbeitslebens vorzubereiten. Natürlich soll diese Ausrichtung auch für die Hochschulen von Vorteil sein, geht es doch auch um von der Wirtschaft geförderte Forschungsprojekte oder Lehrstühle.

Doch so sinnvoll die Strategie in vielen Punkten zu sein scheint, so scheint mir doch, dass László Palkovics einige Aspekte zu wenig berücksichtigt:

1) Nicht jede Fachrichtung ist für die Wirtschaft von gleichem Interesse wie die Ingenieurswissenschaften (Palkovics selbst kommt aus diesem Bereich). Selbst mit sehr viel Phantasie kann ich mir schwer vorstellen, was für ein Forschungsprojekt im Bereich Philosophie für ein Großunternehmen interessant sein könnte. Wenn man also die praktische Orientierung als obersten Wert annimmt, läuft man Gefahr, anders orientierte Wissenschaften zu vernachlässigen.

2) Ein Studium dient nicht nur der Berufsausbildung sondern auch der persönlichen Entwicklung. Um bei dem Beispiel Philosophie zu bleiben: das Studium selbst kann für die persönliche Entwicklung sehr bereichernd sein, auch wenn bei Abschluss nicht erwarten sollte, eine klar vorgefertigte Laufbahn antreten zu können.

3) So sehr klare Strukturen, eindeutige Anforderungen und Entwicklungswege erstrebenswert scheinen, so sollte man nicht vergessen, dass diese allein nicht die Lösung einer langfristig orientierten Bildung darstellen können. Einerseits entwickeln sich in unserer Welt ständig neue Berufsbilder, die bei herkömmlich definierten Ausbildungswegen außer Acht bleiben. Und zweitens verlaufen Lebenswege selten linear auf ein Ziel (z.B. Festanstellung als Ingenieur) zu – ein Bildungssystem sollte also auch eine gewisse Durchlässigkeit bewahren, um auch Personen Perspektiven zu bieten, die nicht immer schon gewusst haben, was sie später mal machen wollen.

Bleibt zu hoffen, dass also auch die ungarische Bildungsreform von dem Grundsatz „One size fits all“ abkommt und sich stattdessen mehrdimensional fortentwickelt.

http://index.hu/belfold/2014/11/06/aki_nem_tud_megtanulni_egy_idegen_nyelvet_ott_baj_van/

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Autor: amueller25

Mein Name ist Alice Müller. Ich arbeite als Trainerin und Beraterin für Kommunikation und Teamentwicklung in Deutschland und Ungarn. Warum dieser Blog? Mein Ziel ist es, Ihnen und allen, die beruflich mit Ungarn zu tun haben, Hintergrundwissen zu Ungarn zur Verfügung zu stellen. Meine Überzeugung ist, dass interkulturelle Begegnung gelingt, wenn man sich auf das einlässt, was nicht offensichtlich ist und neugierig wird auf die andere Kultur. Viel Spaß bei Ihren Erkundungen! Für weitere Fragen und Anregungen erreichen Sie mich unter info(at)alicemueller.com Weitere Informationen über mich: www.alicemueller.com

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